

Wenn ich bei einer Beratung in Erfde, Rendsburg oder Heide sitze, kommt fast immer dieselbe Frage: „Herr Klömmer, was bekomme ich denn eigentlich für meinen Solarstrom?“ Und fast immer steckt dahinter ein Missverständnis, das ich gerne gleich aufkläre. Denn die Einspeisevergütung funktioniert anders, als die meisten denken. Ich erkläre Ihnen hier in einfachen Worten, wie das Ganze wirklich läuft und wo Ihr Geld tatsächlich verdient wird.
Das größte Missverständnis zuerst
Viele glauben, sie bekämen für jede erzeugte Kilowattstunde Geld vom Staat. Das stimmt nicht. Vergütet wird nur der Strom, den Sie ins öffentliche Netz einspeisen. Also der Strom, den Sie gerade nicht selbst verbrauchen.
Und jetzt kommt der wichtige Teil: Für die Einspeisung bekommen Sie nur ein paar Cent pro Kilowattstunde. Jede Kilowattstunde, die Sie aber selbst verbrauchen, ersetzt teuren Netzstrom. Und der kostet ein Vielfaches. Selbst genutzter Solarstrom ist also fast immer deutlich mehr wert als eingespeister Strom.
Ich hatte einmal einen Kunden, der seine Anlage komplett auf Einspeisung auslegen wollte. Er war überzeugt, damit die höchste Rendite zu erzielen. Als wir dann gemeinsam seinen Verbrauch, seine mögliche Eigenverbrauchsquote und die aktuellen Strompreise gegenübergestellt haben, wurde schnell klar: Für ihn war es viel klüger, möglichst viel Solarstrom selbst zu nutzen und nur den Überschuss einzuspeisen. Ein Speicher hat diesen Anteil noch einmal erhöht.
Die Einspeisevergütung ist eine langfristig garantierte, verlässliche Einnahme. Aber sie ist heute meistens nicht mehr der wichtigste wirtschaftliche Vorteil einer Photovoltaikanlage. Der größte Hebel für die meisten Haushalte liegt darin, über viele Jahre weniger teuren Strom einkaufen zu müssen.
Kleine Anlage oder große Anlage? Meine Empfehlung
Weil selbst verbrauchter Strom am wertvollsten ist, denken viele: Dann plane ich die Anlage lieber klein und optimiere nur auf den Eigenverbrauch. Das ist ein Denkfehler, vor dem ich immer wieder warne.
Bei jeder Vor-Ort-Begehung schaue ich mir nicht nur Ihren heutigen Verbrauch an, sondern auch:
die nutzbare Dachfläche
die Ausrichtung und Neigung des Dachs
mögliche zukünftige Verbraucher wie ein Elektroauto, eine Wärmepumpe oder eine Klimaanlage
Ein Speicher ist sinnvoll, wenn Sie regelmäßig abends und nachts Strom brauchen. Aber auch der überschüssige Strom ist nicht wertlos, denn die Einspeisevergütung ist über 20 Jahre garantiert. Und weil zusätzliche Module bei der Installation oft nur überschaubare Mehrkosten verursachen, rechnet sich eine größere Anlage häufig besser als eine kleine, die nur auf eine hohe Eigenverbrauchsquote getrimmt ist.
Ein Beispiel aus der Praxis: Ein Kunde hätte nach seinem aktuellen Verbrauch nur eine kleine Anlage gebraucht. Auf dem Dach war aber viel mehr Platz. Statt nur etwa acht Kilowattpeak mit einem großen Speicher haben wir die Anlage deutlich größer ausgelegt und den Speicher passend zu seinem echten Verbrauch dimensioniert. Heute deckt er einen hohen Anteil seines Strombedarfs selbst, bekommt verlässliche Einnahmen für den Überschuss und hat Reserven für ein späteres Elektroauto.
Nicht die höchste Eigenverbrauchsquote auf dem Papier zählt, sondern die beste Wirtschaftlichkeit über die gesamte Laufzeit. Meine Faustregel: Zuerst die sinnvoll nutzbare Dachfläche ausschöpfen, dann den Speicher realistisch dimensionieren.

Was die sinkenden Vergütungssätze verändert haben
Früher war eine Solaranlage vor allem eine Kapitalanlage: möglichst viel erzeugen, alles einspeisen, gute Vergütung kassieren. Heute steht eine andere Frage im Mittelpunkt: Wie schütze ich mich langfristig vor steigenden Strompreisen und nutze möglichst viel Strom selbst?
Dadurch ist die Planung individueller und anspruchsvoller geworden. Trotzdem rate ich nicht automatisch zur kleinsten Anlage. Die Vergütung ist niedriger als früher, aber sie bleibt eine sichere Einnahme für den Überschuss.
Besonders in Erinnerung geblieben ist mir ein Kunde, der wegen der niedrigen Vergütung zunächst nur eine sehr kleine Anlage wollte. Sein Gedanke: Was ich nicht selbst verbrauche, lohnt sich ohnehin nicht. Als wir gemeinsam die Gesamtkosten, die Erträge und seine Zukunftspläne durchgerechnet haben, zeigte sich das Gegenteil. Für relativ geringe Mehrkosten konnte er deutlich mehr Leistung installieren. Heute versorgt die Anlage seinen Haushalt und sein Elektroauto, und der Rest bringt weiterhin sichere Einnahmen.
Die niedrigere Vergütung hat Photovoltaik nicht unwirtschaftlich gemacht. Sie hat nur den Schwerpunkt verschoben: weg von der reinen Einspeisung, hin zu einem klugen Gesamtkonzept.
Der bürokratische Teil, den viele unterschätzen
Für viele Hausbesitzer ist es überraschend, dass die Anlage technisch fertig sein kann, der formale Weg aber noch nicht abgeschlossen ist. Netzanmeldung, Inbetriebsetzungsunterlagen, Marktstammdatenregister, Zählertausch und Vergütungsabrechnung müssen sauber ineinandergreifen. Schon kleine Abweichungen wie eine falsche Zählernummer oder eine andere Schreibweise des Betreibers können zu erheblichen Verzögerungen führen.
Ein typischer Stolperstein ist der vorhandene Zählerschrank. Gerade bei älteren Häusern entspricht er oft nicht mehr den heutigen Anforderungen und muss angepasst oder erneuert werden. Auch die Zuständigkeiten sind vielen unklar:
Der Installateur übermittelt die technischen Unterlagen.
Der Netzbetreiber prüft und organisiert gegebenenfalls den Zählertausch.
Der Anlagenbetreiber muss seine Anlage fristgerecht im Marktstammdatenregister registrieren.

Besonders viele Nerven hat mich ein Fall in einem älteren Gebäude gekostet. Die Anlage war fertig montiert, doch danach kamen immer neue Rückfragen zum Zählerschrank und zu bereits übermittelten Daten. Mehrfach mussten wir nachtelefonieren und Dokumente erneut einreichen. Bis der passende Zähler eingebaut und die Vergütung korrekt zugeordnet war, vergingen mehrere Monate. Für den Kunden war das schwer nachvollziehbar, denn auf dem Dach produzierte die Anlage längst Strom.
Genau deshalb überlassen wir die Netzanmeldung nicht dem Kunden. Für uns gehört zu einer schlüsselfertigen Anlage nicht nur die Montage, sondern auch, dass der bürokratische Weg begleitet wird und Sie am Ende tatsächlich Ihre Vergütung erhalten.
Was Sie in Schleswig-Holstein wirklich verdienen können
Viele glauben, im Norden lohne sich Photovoltaik nicht. Das stimmt nicht. Unsere Anlagen erreichen je nach Ausrichtung, Neigung und Verschattung häufig etwa 900 bis 1.000 Kilowattstunden pro installiertem Kilowattpeak und Jahr. Eine typische Anlage mit zehn Kilowattpeak erzeugt damit rund 9.000 bis 10.000 Kilowattstunden jährlich.
Wie hoch Ihre Einspeisung ausfällt, hängt stark von Eigenverbrauch und Speicher ab. Wenn Sie beispielsweise 5.000 bis 7.000 Kilowattstunden einspeisen, ergeben sich beim derzeitigen Satz von 7,70 Cent je Kilowattstunde rund 385 bis 540 Euro Einspeisevergütung im Jahr. Mit einem Speicher speisen Sie meist weniger ein, sparen dafür aber deutlich mehr teuren Netzstrom.
Der jeweils geltende Satz wird für Ihre Anlage langfristig festgeschrieben. Das ist aktuell besonders wichtig: Die Bundesregierung hat eine Reform des EEG auf den Weg gebracht, die ab 2027 in Kraft treten soll. Wer seine Anlage erst dann ans Netz bringt, bekommt statt der aktuellen 7,7 Cent je Kilowattstunde nur noch 5,2 Cent – und das auch nur für drei statt für 20 Jahre. Danach müsste die Anlage in die schwankende Direktvermarktung wechseln. Wer jetzt noch 2026 anschließt, sichert sich dagegen die bisherigen, deutlich planbareren Konditionen für zwei Jahrzehnte.
Mein wichtigster Praxistipp: Machen Sie die Wirtschaftlichkeit niemals allein an der Einspeisevergütung fest. Entscheidend ist die Kombination aus eingespartem Strombezug, Vergütung des Überschusses, Investitionskosten und Ihrem künftigen Verbrauch. Wer später ein Elektroauto oder eine Wärmepumpe plant, sollte das schon heute bei der Anlagengröße berücksichtigen.
Und unser norddeutsches Wetter ist längst nicht so nachteilig, wie viele denken. Photovoltaik braucht keine südländische Hitze. Die Module arbeiten bei kühleren Temperaturen sogar besonders effizient und erzeugen auch bei bedecktem Himmel Strom. Deshalb rechnet sich eine vernünftig geplante Anlage in Schleswig-Holstein weiterhin, weil jede selbst erzeugte Kilowattstunde entweder teuren Strom ersetzt oder eine verlässliche Einnahme bringt.
Mein Fazit für Sie
Die Einspeisevergütung ist ein wichtiger Baustein, aber nicht der Kern Ihrer Rendite. Ihr echter Gewinn steckt im selbst genutzten Strom, in einem sinnvoll dimensionierten Speicher und in einer Anlagengröße, die zu Ihrer Zukunft passt. Wenn Sie wissen möchten, wie sich das für Ihr Dach konkret rechnet, nutzen Sie gerne den Solarrechner auf unserer Website oder melden Sie sich direkt bei mir. Ich schaue mir Ihr Dach vor Ort an und plane Ihre Anlage genau so, dass sie über viele Jahre wirtschaftlich für Sie arbeitet.


