Wie viel Stromkosten kann man mit Photovoltaik sparen?

Wie viel Stromkosten kann man mit Photovoltaik sparen?

Wie viel Stromkosten kann man mit Photovoltaik sparen?

Thomas Klömmer

Thomas Klömmer

Wallmontierter Stromspeicher und Wechselrichter in einem Technikraum

„Wie viel spare ich denn im Monat mit einer Photovoltaikanlage?“ Diese Frage höre ich bei meinen Beratungen regelmäßig. Eine konkrete Zahl kann ich darauf nicht einfach nennen. Denn wie viel Stromkosten Sie tatsächlich sparen, hängt nicht nur von der Größe der Anlage ab.

Entscheidend ist, wie viel Strom Ihr Haus verbraucht, wann dieser Strom benötigt wird und wie viel davon direkt mit der Photovoltaikanlage gedeckt werden kann.

Deshalb schaue ich mir bei einer Beratung nicht nur das Dach an. Ich betrachte das gesamte Energiesystem des Hauses.

Wie viel Stromkosten kann man mit Photovoltaik sparen?

Für ein typisches Einfamilienhaus in Schleswig-Holstein mit einer Photovoltaikanlage von etwa 8 bis 10 kWp und einem passenden Stromspeicher sehe ich häufig eine durchschnittliche Stromkostenentlastung von etwa 90 bis 140 Euro im Monat.

Dabei handelt es sich um eine Kombination aus vermiedenem Strombezug und Einnahmen durch die Einspeisung von überschüssigem Solarstrom.

Die tatsächliche Ersparnis kann aber deutlich schwanken. Im Sommer können in einem guten Monat beispielsweise 130 bis 200 Euro zusammenkommen. In den dunklen Wintermonaten können es dagegen nur 20 bis 60 Euro sein.

Das klingt zunächst nach einem großen Unterschied. Deshalb ist es wichtig, nicht nur einzelne Monate zu betrachten. Entscheidend ist die Bilanz über das gesamte Jahr.

Warum Photovoltaik auch in Schleswig-Holstein funktioniert

Schleswig-Holstein ist nicht für besonders viel Sonne bekannt. Für Photovoltaik sind die Bedingungen trotzdem ordentlich.

Je nach Dachausrichtung, Dachneigung und Verschattung können wir häufig mit etwa 850 bis 1.000 kWh Ertrag pro installiertem kWp rechnen. Eine 10 kWp Anlage kann damit ungefähr 8.500 bis 10.000 kWh Strom im Jahr erzeugen.

Solarmodule brauchen außerdem keine große Hitze. Sie arbeiten bei moderaten Temperaturen sogar besonders effizient. Auch bei diffusem Licht wird Strom erzeugt.

Solarmodule auf einem Hausdach bei bewölktem Himmel

Warum eine einfache Rechnung oft nicht funktioniert

Ein häufiger Fehler bei der Planung ist folgende Rechnung:

5.000 kWh Stromverbrauch pro Jahr und 5.000 kWh Solarstromertrag pro Jahr. Also müsste die Stromrechnung praktisch verschwinden.

So funktioniert es leider nicht.

Die Anlage produziert den meisten Strom tagsüber. Ein großer Teil des Verbrauchs findet aber morgens, abends oder nachts statt.

Wenn beispielsweise niemand zu Hause ist, während die Sonne scheint, wird ein größerer Teil des Solarstroms ins Netz eingespeist. Abends wird dann wieder Strom aus dem Netz bezogen.

Für eingespeisten Strom erhalten Sie außerdem deutlich weniger als Sie für Strom aus dem Netz bezahlen.

Genau deshalb ist nicht nur wichtig, wie viel Strom Ihre Photovoltaikanlage produziert. Viel wichtiger ist, wie viel davon Sie selbst nutzen können.

Der Stromverbrauch entscheidet über die tatsächliche Ersparnis

Bei meiner Vor-Ort-Beratung beginne ich deshalb mit der letzten Stromabrechnung. Ich möchte zunächst wissen, wie viel Strom tatsächlich verbraucht wird.

Danach schaue ich mir das Verbrauchsverhalten genauer an. Zum Beispiel:

  • Wann ist jemand zu Hause?

  • Wann wird besonders viel Strom verbraucht?

  • Wird Warmwasser elektrisch erzeugt?

  • Gibt es bereits ein Elektroauto?

  • Ist eine Wärmepumpe geplant?

  • Welche Verbraucher können gezielt tagsüber betrieben werden?

Erst danach prüfe ich die nutzbare Dachfläche, Ausrichtung, Dachneigung, Verschattung und den Zustand des Zählerschranks.

Aus diesen Informationen entsteht eine Ertragsprognose. Anschließend rechne ich verschiedene Varianten durch, beispielsweise mit und ohne Speicher.

Ein größerer Solarstromverbrauch kann die Ersparnis deutlich erhöhen

Ein Beispiel aus meiner Praxis zeigt, warum ich nicht nur den aktuellen Stromverbrauch betrachte.

Ein Kunde ging zunächst davon aus, dass sich eine Photovoltaikanlage für ihn nur begrenzt lohnen würde. Sein bisheriger Haushaltsverbrauch lag bei rund 4.000 kWh pro Jahr.

Im Gespräch stellte sich jedoch heraus, dass ein Elektroauto geplant war. Später sollte außerdem eine Wärmepumpe dazukommen.

Damit veränderte sich die Situation komplett.

Wir haben nicht nur berechnet, was das Haus heute benötigt. Wir haben das zukünftige Energiekonzept betrachtet. Dadurch war eine größere Photovoltaikanlage trotz höherer Investition wirtschaftlicher.

Der Grund ist einfach: Viele Kosten fallen unabhängig von der Anzahl der Module an. Planung, Gerüst, Anmeldung und bestimmte Elektroarbeiten entstehen ohnehin. Zusätzliche Module können deshalb vergleichsweise günstig sein.

Gleichzeitig kann ein größerer Teil des zukünftigen Strombedarfs mit eigenem Solarstrom gedeckt werden.

Was bringt ein Stromspeicher wirklich?

Ein Speicher kann die Nutzung des eigenen Solarstroms deutlich erhöhen. Er löst aber nicht jedes Problem.

Ein Einfamilienhaus verbraucht etwa 4.500 kWh Strom im Jahr. Eine Photovoltaikanlage mit ungefähr 10 kWp erzeugt deutlich mehr Strom, als der Haushalt tagsüber direkt verbrauchen kann.

Ohne Speicher können in diesem Beispiel etwa 1.300 bis 1.600 kWh direkt im Haus genutzt werden.

Ein passend dimensionierter Speicher kann den Eigenverbrauch um weitere etwa 1.300 bis 1.600 kWh pro Jahr erhöhen. Bei einem angenommenen Strompreis von rund 32 Cent pro kWh kann das, unter Berücksichtigung der entgangenen Einspeisevergütung, einen zusätzlichen wirtschaftlichen Vorteil von ungefähr 25 bis 35 Euro im Monat bedeuten.

Dabei sollte der Speicher nicht unnötig groß sein. Ein großer Speicher kostet mehr Geld, wird aber gerade im Winter häufig nicht vollständig geladen.

Warum ein Elektroauto die Rechnung verändern kann

Ein Elektroauto kann für eine Photovoltaikanlage besonders interessant sein.

Denn das Auto hat einen vergleichsweise hohen Strombedarf. Wenn es möglichst dann geladen wird, wenn die Sonne scheint, kann deutlich mehr eigener Solarstrom genutzt werden.

In unserem Beispiel benötigt das Elektroauto etwa 2.500 kWh Strom pro Jahr.

Mit einer intelligent gesteuerten Wallbox konnten etwa 1.200 bis 1.600 kWh davon zusätzlich mit Solarstrom abgedeckt werden. Gegenüber dem Laden mit Netzstrom entspricht das grob einem zusätzlichen wirtschaftlichen Vorteil von etwa 25 bis 35 Euro im Monat.

Zusammen mit dem Speicher konnte das vernetzte System aus Photovoltaikanlage, Speicher und Wallbox die wirtschaftliche Nutzung des eigenen Solarstroms damit um ungefähr 50 bis 70 Euro pro Monat gegenüber der reinen Photovoltaikanlage verbessern.

Voraussetzung ist allerdings, dass die Komponenten sinnvoll aufeinander abgestimmt sind und miteinander kommunizieren.

Elektroauto und Photovoltaikanlage an einem Einfamilienhaus

Warum Online-Solarrechner oft zu optimistisch sind

Viele Interessenten rechnen ihre mögliche Ersparnis bereits vor der Beratung mit einem Online-Rechner aus. Das kann für eine erste Orientierung sinnvoll sein. Eine belastbare Planung ersetzt das aber nicht.

Der häufigste Fehler sind unrealistisch hohe Eigenverbrauchs- oder Autarkiewerte.

Ich hatte beispielsweise einen Interessenten, dessen Online-Berechnung eine Autarkie von deutlich über 80 Prozent versprach.

Bei genauer Betrachtung sah die Situation anders aus. Das Haus war tagsüber weitgehend leer. Der größte Stromverbrauch entstand abends. Gleichzeitig benötigte die Wärmepumpe gerade im Winter viel Strom.

Die realistische Autarkie lag deshalb zunächst deutlich niedriger.

Wir haben daraufhin nicht einfach einen möglichst großen Speicher eingeplant. Stattdessen wurden Photovoltaikanlage, Speicher und Verbrauchssteuerung aufeinander abgestimmt.

Das Ergebnis war weniger spektakulär als die Online-Berechnung. Dafür war es realistisch und wirtschaftlich nachvollziehbar.

Mir ist lieber, ein Kunde erlebt später eine positive Überraschung, als dass ich vorher mit unrealistischen Prozentwerten werbe.

Person prüft eine Berechnung am Laptop

Der größte Hebel ist oft nicht der Speicher

Bei der Planung wird häufig zuerst über die Anzahl der Module und die Größe des Speichers gesprochen.

Ich halte einen anderen Punkt für mindestens genauso wichtig: Wann wird der Strom verbraucht?

Die beste Kilowattstunde ist nicht automatisch die, die produziert wird. Es ist die Kilowattstunde, die im richtigen Moment selbst genutzt wird.

Waschmaschine, Geschirrspüler, Warmwasserbereitung, Wärmepumpe und Elektroauto können teilweise gezielt dann betrieben werden, wenn Solarstrom vorhanden ist.

Mit einem guten Energiemanagement muss der Eigentümer dafür nicht jeden Tag auf die Wettervorhersage schauen. Die Steuerung kann viele Vorgänge automatisch optimieren.

Deshalb plane ich eine Photovoltaikanlage nicht auf die höchste theoretische Autarkie. Ich plane sie auf einen möglichst hohen wirtschaftlichen Nutzen über die gesamte Lebensdauer.

Zukünftigen Stromverbrauch direkt mitplanen

Eine Photovoltaikanlage bleibt viele Jahre auf dem Dach. Deshalb sollte man nicht nur überlegen, was das Haus heute verbraucht.

Wenn in einigen Jahren ein Elektroauto oder eine Wärmepumpe geplant ist, sollte das bereits bei der Planung berücksichtigt werden.

Dazu können beispielsweise Wechselrichter, Leitungswege, Zählerschrank und Energiemanagement entsprechend vorbereitet werden.

So lässt sich später vermeiden, dass das gesamte System aufwendig angepasst werden muss.

Mein wichtigster Rat aus über zehn Jahren Erfahrung und mehr als 500 Kunden in Schleswig-Holstein lautet deshalb: Planen Sie nicht nur Ihre Photovoltaikanlage. Planen Sie Ihren zukünftigen Stromverbrauch gleich mit.

Dann wird aus einzelnen Komponenten ein Energiesystem, das wirklich zu Ihrem Haus passt.

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